Sonntag, 30. Januar 2011

Helle Dunkelheit


Ich liege im Kofferraum. Die Sitzplätze im Auto haben nicht ausgereicht, doch es gibt für jedes Problem eine Lösung. Ich schaue nach oben in die Dunkelheit. Die Lichter der Straßenlaternen ziehen vorbei. Ich erkenne sie nur schemenhaft, Leuchtreklamen tauchen kurz auf und verschwinden wieder, bevor ich sie entziffern kann, Ampelleuchten schimmern in den Regentropfen und die Silhouetten der Häuser rauschen vorbei.

Ich erinnere mich, dass wir früher immer im Auto geschlafen haben, meine Schwester und ich, wenn wir an die Ostsee gefahren sind. Da haben wir uns immer ewig diese Lichter angeschaut bevor wir geschlafen haben. Einmal haben uns unsere Eltern gar nicht gesagt, dass wir in den Urlaub fahren, heimlich unsere Sachen gepackt und uns als wir schon geschlafen haben geweckt, um über Nacht auf die Insel Rügen zu fahren. Das war wunderbar, von solchen spontanen Aktionen lebt das Leben. Ich möchte auch einmal spontan an die Ostsee fahren, die Steilküste entlangstreifen und die tausend Steine unter meinen Füßen spüren, unter denen sich zahlreiche kleine Schätze befinden. Die Wellen spülen kleine Steinchen an den Strand und ziehen sie wieder mit sich zurück, was ein so schönes Klimpern hervorruft, dass ich am liebsten nie wieder was anderes hören würde… 

Aber zurück zum Auto mit der vom Regen betröpfelten Heckscheibe. Ich liege da und frage mich, ob man die Welt nicht öfter mal aus diesem Blickwinkel betrachten sollte. Nicht immer zu versuchen den großen Überblick zu haben, sondern einfach mal bewusst von unten schauen, um Sachen in der Dunkelheit zu entdecken, die einem bei einem Blick von oben gar nicht aufgefallen wären.
Schaut einfach mal unverfroren auf die Dinge, wie ein Kind, ohne zu filtern, dann seht ihr was die Welt zu bieten hat…